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Lokalsport
Mit einem Schachzug zum Aufstieg
Der SC Feuerbach ist in seiner 4-jährigen Existenz zum dritten Mal hintereinander aufgestiegen


Der SC Feuerbach wurde Meister der Verbandsliga und spielt in der kommenden Saison in der Oberliga. Nach drei Aufstiegen hintereinander wird für die kommende Saison die Devise Klassenerhalt ausgegeben.

Schach ist eines der komplexesten Brettspiele, heißt es in der einschlägigen Literatur. Dies wird umso deutlicher, wenn man folgende Zahlenspiele betrachtet und dabei versucht, nicht ins Wanken zu geraten. Die Zahl der theoretisch möglichen Stellungen wird auf 2,28 x 1046 geschätzt. Bereits nach zwei Zügen können 72 084 verschiedene Aufstellungen entstehen. Die Zahl der möglichen Spielverläufe ist noch einmal um ein Vielfaches größer: Schon für die ersten 40 Züge belaufen sich die Schätzungen auf mehr als 10 000 verschiedene Möglichkeiten. Bei all diesen statistischen Berechnungen steht eines fest: Wer am häufigsten gewinnt, steht am Schluss der Saison ganz oben in der Tabelle. Dies gelang dem SC Feuerbach bereits zum dritten Mal hintereinander. Zuletzt wurden die Feuerbacher Denksportler Meister der Verbandsliga. Nächstes Jahr sitzen sie an den Brettern der höchsten württembergischen Spielklasse.

"Und da werden wir die Underdogs sein. Wir sind ganz klar Abstiegskandidat", sagt Gerhard Schuster, der alle bisherigen Aufstiege mitgemacht hat. Für die letzten beiden entscheidenden Partien hatten die Verantwortlichen überraschend ein ungarisches Brüderpaar verpflichtet: Zoltán und Csaba Csiszár. Letzterer ist ein Internationaler Meister, Zoltán Csiszár gar ein FIDE-Meister, trägt also den Titel des Weltschachverbands. Durch diesen Schachzug war die Konkurrenz überrascht, aber letztendlich auch die Feuerbacher selber. "Eigentlich haben wir in jeder Saison bisher erst einmal gegen den Abstieg gespielt", erklärt der SC-Vorsitzende Ingo Wenninger tiefstapelnd, doch seine Mitspieler pflichten ihm bei. "Unsere Aufstiegsserie klingt so überragend. Aber wenn nur eine Nuance anders gewesen wäre, hätte es einen komplett anderen Saisonverlauf gegeben", meint Gerhard Schuster.

"Also sagen wir mal so. Immer wenn ich dabei war, haben wir gewonnen", sagt Hans-Reiner de Boer und sorgt für allgemeine Heiterkeit im Trainingsraum des Wirtshauses im Tal. Die von Schachfreunden so geliebte Statistik gibt de Boer allerdings recht. Bei zwei Partien hat der besonnene Norddeutsche mit dem Schnauzbart vergangene Saison gefehlt. Ergebnis: einmal Unentschieden, eine Niederlage für den SC Feuerbach, der sich 2004 von der Sportvg Feuerbach abspaltete und selbstständig wurde.

Angesichts der höheren Spielklasse wird sich der Verein verstärken müssen. "Wir suchen nach weiteren guten Spielern, aber dies erfolgt auf rein freiwilliger Basis. Wir können niemanden bezahlen", sagt Vorstand Wenninger. Zwei neue Strategen für das Spiel der Könige haben sich bereits gemeldet. Tilo Kabisch, der in Heilbronn wohnt, ein Jahr pausiert hat und zuletzt für den HP Böblingen spielte, verfügt über eine Deutsche Wertungszahl (DWZ) von mehr als 2200 und wird die kommende Nummer eins für den Feuerbacher Schachclub. Noch ein wenig höher in der deutschen Rangliste steht Achim Leyrer, der ebenfalls ein Jahr pausierte und zuletzt für den TSF Ditzingen mit Bauer, Pferd, Turm, Läufer und Dame die Könige seiner Gegner in die Ecke trieb. Gerhard Schuster sieht diese Neuzugänge mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits wird die Spielstärke seiner Mannschaft gesteigert, anderseits sinken damit seine Chancen, selbst eingesetzt zu werden. "Vor drei Jahren war ich noch an Brett eins, mittlerweile spiele ich an Brett zehn, weil immer stärkere Spieler ins Team gekommen sind", sagt Schuster und lacht.

Die neue Oberligasaison beginnt Ende September. Und sollte der Abstiegskandidat Feuerbach zu sehr in Bedrängnis geraten, stehen wieder die ungarischen Meisterspieler parat.

Die Aufsteiger des SC Feuerbach: Gerhard Schuster, Csaba Csiszár, Hans-Reiner de Boer, Harald Keilhack, Bernhard Feith, Zoltán Csiszár, Matthias Steiner, Christian Beyer, Armin Zimber, Frank Herbert-Schweizer, Eugen Rempel, Tillmann Haak, Thomas Baumstark, Ingo Wenninger, Nicolai Glasbrenner.



Von Tom Bloch
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau


29.08.2008

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